Ausgangspunkt der gemeinsamen Konzeption der Ausstellung war eine vorgefundene Seite aus einem Kreuzworträtselheft, in dem eine an Demenz erkrankte Person die Kassettierung eines Kreuzworträtsels als Orientierung nutzte, um eine Botschaft zu überbringen – „bin kurz mit dem Hund raus“. Die Kassettierung des Rätsels schuf Orientierung beim Verfassen der Nachricht, ein inhaltlicher Bezug zu den im Rätsel gestellten Fragen fand jedoch nicht statt. Das hieraus resultierende Spannungsfeld zwischen der inhaltlichen Ebene des Rätsels und der der Nachricht lässt sich auch auf den Dialog von Julian Kirchners und Lukas Müllers Arbeiten übertragen. Denn das Verhältnis von sprachlicher Konstruktion und der Welt außerhalb des Ausstellungsraums ist zentrales Motiv beider künstlerischer Positionen:

Auf der einen Seite stehen „one-step-transformations“ von realistischen gefundenen Weltversatzstücken bei Müller, auf der anderen Seite das Amalgamieren von abstrakten Zeichensystemen mit teils mystischen Bildwelten bei Kirchner.

Die Aneignung und Transformation von vorgefundenen Elementen ist hierbei zentrales Moment beider künstlerischer Positionen. Bei Lukas Müller werden Fundstücke zu Elementen seiner Rauminstallationen, Kirchner eignet sich Bildfragmente aus unterschiedlichen Kontexten an, um diese in seine Kompositionen zu integrieren.

Während sich die Gestik in Kirchners Bildern in den Darstellungen von Pinselspuren äußert, welche eine nie ausgeführte Dynamik suggerieren, findet sich Dynamik bei Müllers Arbeit in den Spannungen eines gewundenen Kabels wieder. Dieses steckt in einer Wand und verlässt somit aber die Fläche.





In der Ausstellung lässt die Auseinandersetzung einer malerisch-grafischen und einer installativen Position Inszenierungen von Echtheit entstehen, die im Kern eine ähnliche zeitgenössische Fragestellung umtreibt.

Mehr zu Lukas Müller: Frieze-Magazine – Review von Moritz Schepers, Januar 2019.

Zur Homepage von Julian Kirchner. 

Mark